Immer wieder stoßen wir auf die Schönheit der Liebe und wie aufregend und erfüllend sie sein kann. Ein großes Gefühl. Ein Herzensgefühl. Im Zwischenmenschlichen ebenso wie im Religiösen. Die Glückseligkeit, sich geliebt zu fühlen, und die Freude, Zeit mit einem geliebten Menschen zu verbringen – oft meinen wir damit jemanden, in den wir verliebt sind, oder unsere Kinder oder Enkel.
Eine Frau sagte mir einmal, nachdem sie ein Enkelkind bekommen hatte, dass sie nicht wusste, dass man so sehr lieben kann.
Meiner Meinung nach ist die Essenz der Liebe das tiefe Bestreben, dem geliebten Menschen wohlzutun und zu seinem Wohlbefinden beizutragen, und zwar ausnahmslos und unabhängig von der eigenen Stimmung oder Befindlichkeit. Ich kann einen Menschen nicht heute lieben und morgen, weil ich mich über ihn geärgert habe, ignorieren, wie es ihm geht, oder Dinge tun, von denen ich weiß, dass er sich dadurch schlecht fühlt. Oder sogar Dinge sagen oder tun, um ihn absichtlich zu verletzen. Liebe ist radikal. Liebe ist auch eine Entscheidung.
Entweder ich liebe meinen Partner, mein Kind, meine Schwester – dann ist diese Liebe insofern bedingungslos, als mein Streben nach ihrem Wohlergehen nicht an meinen Bedingungen scheitert. Oder ich liebe nicht, dann bewege ich mich in einem Handel: Sei du gut zu mir, dann bin ich gut zu dir. Vielleicht klingt dies wie ein Appell, alles vom anderen hinzunehmen. Das ist jedoch nicht gemeint. Wenn mich jemand schlecht behandelt, spreche ich das an – wenn nötig auch nachdrücklich. Denn es ist sicherlich nicht im Interesse des Wohlergehens des anderen, mich schlecht zu behandeln.
Mein Bestreben, das Wohl des anderen zu fördern, ist es, was die Liebe tatsächlich so erfüllend macht. Und dieses Bestreben ist frei; ich bin nicht abhängig davon, geliebt zu werden.