Meine Gedanken über „keine echte Wahl zu haben“…

Meine Gedanken über „keine echte Wahl zu haben“…

Nicht zum ersten Mal ist ein Paar zu mir gekommen, bei dem der Mann mitgekommen ist, weil die Frau als Alternative eine mögliche Trennung in den Raum gestellt hat.

Der Nachteil dieser Startposition für Paartherapie ist der, dass er in eine Situation gebracht wurde, in der er keine Wahl hat. Er kann mitgehen zur Paartherapie – möchte er nicht. Er kann es darauf ankommen lassen, dass sie sich trennt – möchte er nicht… Und damit verliert er eine echte Wahlmöglichkeit. Er hat nur zwei Alternativen, die er beide nicht will. Was dazu führt, dass ihr gegenüber nicht gerade seine Liebesgefühle aufblühen.

Anderes Paar, anderer Schauplatz: er möchte (mehr) Sex, sie hat keine Lust. Wenn sie keine Lust hat und nein sagt, ist er wütend. Vielleicht wird er laut, verbal aggressiv. Vielleicht schmollt er und redet drei Tage nicht mit ihr. Vielleicht beschuldigt er sie, dass mit ihr etwas nicht stimme, sie Therapie brauche, wenn sie so wenig Lust habe, wer weiß, welche Geschichte sie habe… Was gleich ist zum oben genannten Paar: sie hat keine Wahlmöglichkeit. Entweder sie hat Sex mit ihm – möchte sie nicht. Sie kann damit leben, dass er wütend wird ( auf welche Art auch immer er dies dann auslebt ) – möchte sie nicht… Somit gibt es auch hier keine Wahl für etwas, was gewollt wird. Dies wird ihre Lust auf ihn nicht steigern.

Eine Mutter und ihre achtjährige Tochter: die Tochter hat ein halbes Jahr ihr Taschengeld gespart, um sich das neue Barbie Rainbow Kleid zu kaufen. Die Mutter sagt: für so einen Quatsch gibst du dein Geld nicht aus, das liegt dann nur in der Ecke, dafür ist es zu teuer. Die Tochter ist verzweifelt, es ist ihr größter Wunsch, sie weiß, dass sie es von ihrer Mutter nicht bekommt, sie hat auf anderes verzichtet, um sich dieses Kleid kaufen zu können. Und auch sie hat keine Wahl…

Ich hätte jetzt noch hundert weitere Beispiele dafür, wie bei Menschen ein Wahlverlust hervorgerufen wird, aber sicherlich fallen Ihnen selbst auch etliche ein.

Das Fatale daran ist: wenn wir dafür sorgen, dass der oder die andere keine Wahl mehr hat, was immer bedeutet: egal wie er oder sie sich entscheidet, es gibt immer nur die Möglichkeit, etwas zu entscheiden, was er oder sie nicht möchte, also von sich aus nicht wählen würde, dann rufen wir im besten Fall eine Verstimmung beim anderen hervor. Weitaus häufiger jedoch einen Widerwillen gegen uns und wenn sich diese Situationen häufen, sogar Hassgefühle.

In der Regel machen wir uns das nicht klar, sondern nehmen anderen auf leichtfertige Art ihre Wahlmöglichkeiten. Und wundern uns dann, dass unser Gegenüber so ablehnend uns gegenüber ist.

By |2018-10-27T15:56:32+00:00Oktober 26th, 2018|Paare|0 Comments

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